Interview-Leitfaden

Ein Interview-Leitfaden ist ein vorbereitetes Gerüst mit den Kompetenzen, Erfahrungen und Situationsfragen für eine bestimmte Stelle. Sie erstellen ihn vor den Interviews, um Fairness, Konsistenz und Nachvollziehbarkeit zu sichern. Das Schweizer Arbeitsgesetz (ArG) schreibt ihn nicht vor, aber ein Leitfaden schützt Sie, wenn ein abgelehnter Kandidat Ihre Entscheidung anfechtet.

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Ein Interview-Leitfaden dokumentiert die Kompetenzen, Erfahrungen und Situationsfragen, die für Ihre Stelle relevant sind. Er ist ein Arbeitsinstrument, mit dem Sie jeden Kandidaten nach denselben Kriterien beurteilen, anstatt spontan Fragen zu improvisieren.

Für KMU ohne HR-Abteilung verhindert ein Leitfaden die teuersten Einstellungsfehler: unbewusste Vorurteile, inkonsistente Massstäbe und Kandidaten, die das Verfahren als unfair oder diskriminierend anfechten.

Wann Sie einen Interview-Leitfaden brauchen

Sie sollten einen Leitfaden immer dann vorbereiten, wenn Sie mehrere Kandidaten befragen – egal ob für eine 100%-Stelle oder ein Teilzeit-Pensum. Selbst bei einer einzelnen Einstellung zwingt das Aufschreiben Sie, zu klären, wie Erfolg in dieser Rolle aussieht.

Der Leitfaden wird entscheidend, wenn Sie über mehrere Kantone hinweg einstellen oder wenn Kandidaten später Ihre Entscheidung anfechten könnten. Das Schweizer Arbeitsgesetz schreibt keinen formalen Prozess vor, aber dokumentierte Kriterien zeigen, dass Entscheidungen sachlich waren, nicht willkürlich oder diskriminierend.

  • Erstellen Sie den Leitfaden nach dem Anforderungsprofil, aber vor dem ersten Interview
  • Nutzen Sie ihn für jeden Kandidaten, der sich auf die gleiche Stelle bewirbt
  • Beziffern Sie rollenspezifische Kompetenzen (technische Fähigkeiten, Sprachen, Branchenerfahrung)
  • Fügen Sie Verhaltens-Fragen hinzu, die zu Ihrer Unternehmenskultur oder dem Team-Bedarf passen
  • Notieren Sie Gesprächsdetails, um Kandidaten gerecht zu vergleichen
  • Überprüfen und verfeinern Sie den Leitfaden, wenn Interviews Lücken offenbaren

Ihre Pflichten als Arbeitgeber

Das Schweizer Arbeitsgesetz (ArG) schreibt Interviewformate nicht vor. Sie dürfen aber nicht wegen Rasse, Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Behinderung oder Familienstand diskriminieren. Ein Interview-Leitfaden hält Fragen rollenrelevant und hilft Ihnen, konform zu bleiben.

Falls ein Kandidat formell Einspruch erhebt oder die kantonale Arbeitsvermittlung (RAV/ORP/URC) involviert wird, zeigt Ihr Leitfaden, dass die Beurteilung systematisch und unparteiisch war. Ohne ihn verlassen Sie sich auf Erinnerung und subjektive Eindrücke.

  • Stellen Sie nur Fragen, die jobspezifisch und kompetenzbezogen sind
  • Vermeiden Sie Privates (Familienplanung, Gesundheit, Familienstand, ethnische Herkunft)
  • Gewähren Sie Kandidaten gleiche Zeit und die gleichen Kernfragen
  • Dokumentieren Sie Ihre Bewertungskriterien vor Interviews
  • Halten Sie Gesprächsnotizen vertraulich und sicher unter revDSG (Datenschutzgesetz)
  • Seien Sie bereit, zu erklären, warum ein Kandidat nicht ausgewählt wurde

Der häufigste Fehler

Der grösste Fehler ist, den Leitfaden als starre Vorlage statt als Gerüst zu behandeln. Viele kleine Arbeitgeber lassen ihn entweder weg oder schreiben ihn so detailliert auf, dass er sich skriptet anfühlt. Keines der beiden Extreme funktioniert gut.

Die beste Lösung: bereiten Sie 6–10 Kernfragen pro Stelle vor, notieren Sie die Kompetenzen, die Sie evaluieren, und führen Sie dann ein natürliches Gespräch. Sie bleiben im Plan, lassen aber Kandidaten ihre Persönlichkeit zeigen. Ohne Notizen können Sie Kandidaten später nicht gerecht vergleichen.

  • Improvisieren Sie Fragen nicht am Tag – Sie stellen dann verschiedene Personen unterschiedliche Dinge
  • Lesen Sie Fragen nicht roboterisch vor – lassen Sie Kandidaten ihre Erfahrung in ihren eigenen Worten erklären
  • Überspringen Sie den Leitfaden nicht bei ‹einfachen› Stellen – Voreingenommenheit schleicht sich schneller ein
  • Machen Sie kurze Notizen während des Gesprächs, damit Sie später vergleichen können
  • Stellen Sie Nachfragen, nutzen Sie aber den Leitfaden, um zu Kernthemen zurückzukehren
  • Beurteilen Sie Antworten nach Ihren Kriterien, nicht nach Ihrem Bauchgefühl

Häufige Fragen

Ist ein Interview-Leitfaden in der Schweiz gesetzlich erforderlich?
Nein. Das Schweizer Arbeitsgesetz (ArG) schreibt keinen formalen Prozess vor. Aber ein Leitfaden schützt Sie, wenn ein Kandidat Diskriminierung behauptet oder Ihre Entscheidung anfechtet. Er beweist, dass Ihre Beurteilung sachlich und rollenbezogen war, nicht willkürlich.
Kann ich den gleichen Leitfaden für verschiedene Rollen nutzen?
Nein. Jede Stelle hat unterschiedliche Kompetenzanforderungen. Ein Leitfaden für eine Buchhalterin unterscheidet sich von einem für einen Kundenberater. Passen Sie die Kernfragen und Bewertungskriterien an das spezifische Anforderungsprofil und das Pensum an.
Was mache ich mit Interviewnotizen, nachdem ich jemanden eingestellt habe?
Bewahren Sie sie 1–2 Jahre sicher auf (kantonabhängig). Nach revDSG (Schweizer Datenschutzgesetz) haben Kandidaten das Recht zu erfahren, welche Daten Sie über sie halten. Speichern Sie Notizen vertraulich, teilen Sie sie nicht und löschen Sie sie, wenn die Einstellung abgeschlossen ist.

Allgemeine Informationen für Schweizer Arbeitgeber, keine Rechtsberatung. Lassen Sie alles mit rechtlichen Folgen von einer Juristin prüfen.

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